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Das Anankastische Syndrom (Leseprobe)  18,00 CHF
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Art.Nr.: 978-3-935901-02-4
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Das Anankastische Syndrom (Leseprobe)

DAS ANANKASTISCHE SYNDROM versammelt acht phantastische, seltsame und schwarzromantische Erzählungen abseits der gängigen Pfade moderner Phantastik und fünf s/w Illustrationen von Thomas Wagner.


Leseprobe
Ich wußte, wenn jemand die Kraft besaß, diese Träume heraufzubeschwören, dann mußtest du das sein. Du, kein anderer. Denn nur du besaßest eine Seele, die schwarz genug war, um ihre Dunkelheit in die Seelen anderer ausbluten zu lassen und sie anzustecken und in ihnen die süße Sehnsucht nach allumfassender Hingabe zu erwecken. Nur du kanntest die geheimen Worte der Hymne an die Nacht.
Ich las von den Dingen, die du getan hattest. Ich hatte immer gewußt, daß es dir möglich war, deine Gestalt zu wechseln und in einer der mächtigen, archaischen Formen der Nacht umzugehen. Ich hatte immer die unerhörten Taten erahnt, die du verübt haben mochtest. Ich hatte deinen Ruf gehört, der von weither zu mir schallte, wenn das Brausen der Stille mein nächtliches Zimmer erfüllte. Und in deinem Buch las ich von einem Ort, von einem wohlverborgenen Ort, den ich niemals aufgesucht hatte und der das Zeugnis deines Wirkens bildete. In derselben Nacht beschloß ich, diesen Ort aufzusuchen, und sollte ich den Rest meines Lebens nach ihm forschen müssen.

Heimlich nahm ich meine nächtlichen Wanderungen wieder auf, die ich vor Jahren ausgesetzt hatte. Ich stahl mich aus dem Haus, vorbei am Schlafzimmer meiner Eltern, barfuß die Treppe hinunter und aus der Hintertür in ein Reich aus Mondlicht und Altweibersommerfäden, die schimmernd wie Seide von den herbstlichen Zweigen der Obstbäume flossen. In den Straßen rannen stille Kanäle, deren Fluß keinen Ton erzeugte und deren Wasser sich nicht bewegten. In ihnen spiegelten sich nur die Kronen der schwarzen Bäume am Straßenrand. Und die Häuser der Nachbarschaft schienen in nokturner Veränderung; in sich zusammengesunken, bildeten sie formlose Klumpen. Nur die in den Himmel gereckten Antennen und Kamine schwankten sichtbar, obwohl kein Windhauch die sternenlose Stille dieser künstlich ausgedehnten Nacht aufrührte. Ich überzeugte mich davon, daß die Realität nur Schein war, und erkannte, daß alle Dinge einem ständigen Wandel unterworfen sind, den der Mensch nicht beeinflussen kann. Aller Drang nach Beständigkeit kann nur zu Frustration und Verzweiflung führen. Ich erkannte den Wandel der Dinge in der Beständigkeit deines Wesens, der du mich nicht verlassen hattest. Und ich folgte deinem Ruf in dein tiefstes Domizil, wohin dir niemand zuvor je gefolgt war. Ich beschwor dich beim Licht des Mondes und im tiefsten Dunkel verborgener Winkel, zu mir zurückzukommen und dich mir zu zeigen. Ich fühlte mich bereit, deine Offenbarungen zu ertragen, und wünschte nichts mehr, als daß sich dein Wille an mir erfüllte. Aber noch warst du nicht bereit, mich zu erhören ... noch war die Zeit nicht gekommen.

aus: Hymne an die Nacht

Über die Autorin
Eddie M. Angerhuber überzeugt ihre Leser mit intensiven Bildern und eigenwilligen bizarren Einfällen. Neben einer Reihe von Anthologiebeiträgen und Heftveröffentlichungen erschienen von ihr unter anderem die Sammelbände In Asmodis Haus - romantische Spukgeschichten (Goblin Press) und Die verborgene Kammer - seltsame Visionen (Edition Metzengerstein), der Roman Das Verborgene (Klaus Bielefeld Verlag) und das Hörbuch nocturne produkte (Bärenklau Verlag).

PRESSE
"Es gibt im Momente, da beginnt die Prosa im Kopf des Lesers ihr Eigenleben zu entwickeln. Sie erhebt sich und bildet neue Bilder - erweckt so ein Gefühl des Schwebens. Dieser Zustand zeugt von einer Gewandtheit des Autors im Umgang mit der Sprache, die nicht alltäglich ist. Diesem Phänomen begegnet man bei der Lektüre von Eddie M. Angerhubers Geschichten in "Das Anakastische Syndrom".
Acht unheimliche Geschichten von Deutschlands visionärsten Phantastik-Autorin erwarten den Leser im vorliegenden Band aus dem Medusenblut Verlag. Wie immer gelingt es Eddie M. Angerhuber, mit den Geschichten Verstörung hervorzurufen, die noch nach Ende der Lektüre im Leser nachschwingt. Ein besseres Urteil für die Qualität von Horror Stories kann es nicht geben.

Thomas Ligotti vergleicht die Werke der Autorin mit den Geschichten von Stefan Grabinski und Thomas Owen Ich denke, dass sie aber in vielen Bereichen über die traditionelle Horrorstory hinausgeht. Ihre Geschichten bewegen sich teilweise auf eine Parallelbahn zu Ligotti zu, bleiben dabei aber anders - angerhubertypisch eben.
Die Story "Das Anankastische Syndrom" beispielsweise saugt geradezu in der Schilderung einer degenerierten Stadt einen Geist, den Ligotti erdacht haben könnte (ich sehe darin Elemente aus "Der Schatten am Grunde der Welt" und "In a foreign town...") - und das ist keinesfalls negativ! Im Gegenteil - Eddie M. Angerhuber bewahrt sich eine eigenständige Ausprägung, und das ist es, was die Autorin vom Epigonentum abhebt. Es sind hierbei die Detailbeobachtungen ("Der blaue Stern"), die mit gekonnten Vergleichen die Prosa in eine Art Schwebezustand versetzen - etwas Traumhaftes, das aber in der Realität verwurzelt ist. Es weist über den bloßen Schein hinaus...dahin, wo das Schreckliche seine Maske abnimmt.

"Solo für eine Königin" greift das Thema der lebenden Puppen auf, das schon E.T.A. Hoffmann inspirierte. Doch im Gegensatz zu Hoffmann, wird die Sicht der Lesers auf die Ereignisse in der Geschichte durch die Wahl einer Ich-Erzählform stark beeinflusst. Die Imaginationskraft muss dem Leser beistehen, um ein subjektives Bild der Vorgänge zu erhalten. Inwieweit die Hauptperson sich die Handlung einbildet, muss also vom Rezipienten entschieden werden.

Die Inhalte der Geschichten von E.M.Angerhubers Band "Das Anankastische Syndrom" näher zu beschreiben, würde der Faszination, welche von diesem Buch ausgeht, schädlich sein. Es kann dem Leser von ernsthafter Phantastik nur eine dringende Kaufempfehlung angeraten werden, denn das Buch wird sicherlich bald vergriffen sein und als Sammlerstück den Weg in die Herzen der Horrorfreunde finden."

Autor: Eddie M. Angerhuber
Paperback mit 139 Seiten
1. Auflage 01.2002



Diesen Artikel haben wir am Mittwoch, 28. Februar 2007 in unseren Katalog aufgenommen.


Donnerstag, 24. Mai 2012 3807028 Zugriffe seit Dienstag, 15. Mai 2007
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